Umwelt und Natur

Naturschutzverband kritisiert langsame Umsetzung von Muschelfangverbot

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Fischerboot
Die Flensburger Förde ist schwer krank.

In einem offenen Brief an die drei Minister hinter dem Vorschlag für mehr Meeresschutz, der unter anderem ein Verbot der Schleppnetzfischerei in großen Teilen der dänischen Küstengebiete vorsieht, wird schneller und entschlossener Schutz der Flensburger Förde gefordert.

Dänemarks Naturschutzverband (Danmarks Naturfredningsforening) übt scharfe Kritik an der langsamen Umsetzung eines Verbots der Muschelfischerei in der Flensburger Förde.

„Es ist für uns völlig unverständlich, dass die Förde wiederholte Male in allen Meeresschutz-Initiativen vergessen wird“, heißt es in einem offenen Brief an die drei zuständigen Minister der SVM-Regierung. Es sei auch ein Faktum, dass das Verbot des Muschelfischens, das mit großer politischer Mehrheit als Teil des „Havplan 2023“ angenommen wurde, noch immer nicht umgesetzt wurde.

Das Verbot, das für Flensburger Förde, den Vejle Fjord und die Kalø Vig gelten soll, sei nach mehr als eineinhalb Jahren in den Verhandlungen über die Zukunft der Fischerei versteckt worden. „Sowohl auf der deutschen wie auf der dänischen Seite sind wir sehr verwundert und wütend, dass die Verwüstungen weitergehen.“

Umweltminister Magnus Heunicke (Soz.), Fischereiminister Jakob Jensen (Venstre) und der Minister für Grøn Trepart, Jeppe Bruus (Soz.), fordern sie auf, den sofortigen Schutz der südjütländischen Förden sicherzustellen.

Unterstützung aus der Politik

Die Ortsverbände des Naturschutzverbandes in Apenrade (Aabenraa) und Sonderburg (Sønderborg), mit den Vorsitzenden Lorens Boel Juel Nielsen und Martin Jessen, bekommen breite Unterstützung für ihre Kritik. Denn unterschrieben ist der Brief außerdem von den Bürgermeistern der Kommunen Sonderburg (Erik Lauritzen), Apenrade (Jan Riber Jakobsen), Harrislee (Martin Ellermann), Flensburg (Fabian Geyer), dem SSW-Bundestagsabgeordneten Stefan Seidler, dem SSW-Landtagsabgeordneten Christian Dirschauer sowie dem Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Schleswig-Holstein, Ole Eggers.

Erik Lauritzen zeigte sich in dieser Woche laut Pressemitteilung begeistert, dass der Meeresschutz bei den kommenden Fischereiabsprachen eine große Rolle spielt: „Es ist ein Verbot, auf das wir schon lange gewartet haben. Aber jetzt kommt es. Ich freue mich für die Sonderburger Kommune und alle die Interessenten, die sich für einen Stopp der Grundschleppnetzfischerei eingesetzt haben.“

Dennoch kritisieren er und die weiteren Unterzeichnenden, dass die Flensburger Förde nicht zu einem Teil des kommenden marinen Nationalparks Kleiner Belt (marin nationalpark Lillebælt) gehören soll. Und dass, obwohl der Zustand der Förde besonders schlecht sei.

Lösungen gefordert

Es sei notwendig, dass die Flensburger Förde ein Teil des geplanten Naturnationalparks wird. Die Unterzeichnenden fordern außerdem einen reellen Schutz, der die Verklappung und Nutzung von Schleppnetzen untersagt.

Ziel sei der Aufbau von Muschelriffen, die Lebensräume für Tiere am Boden und Fische bieten.

Die Bürgermeister in den Kommunen Nordschleswigs und den angrenzenden Kreisen Schleswig-Holsteins hätten sich mehrfach an die verantwortlichen Minister bezüglich der Verhältnisse in den Förden gewandt – spätestens in Verbindung mit der landesweiten Aktion von Danmarks Naturfredningsforening „30 Förden – 30 Tage“ im September 2024, heißt es weiter.

Bereits früher Appell an Minister

Damals war von den lokalen Abteilungen des Dänischen Naturschutzvereins in Apenrade und Sonderburg gemeinsam mit den Bürgermeistern und Ausschussvorsitzenden aus Apenrade, Sonderburg, Harrislee (Harreslev) und Flensburg (Flensborg) ein Appell an die drei Minister gesendet. Darin forderten sie unter anderem, das Muschelfischen in der Flensburger Förde, der Augustenburger Förde und der Apenrader Förde zu stoppen.

Drei zentrale Forderungen

„Mit anderen Worten ist es ein starker politischer und bürgerlicher Wille, die Förden zu schützen, hierunter das Muschelfischen zum endgültigen Stopp zu bringen“, heißt es weiter. Es schwäche die Glaubwürdigkeit politischer Entscheidungen, die zum Wohle der Natur getroffen wurden – und den Willen der Regierung, sie auch tatsächlich umzusetzen, „wenn wir sehen, dass die Muschelfischenden weiterhin mit der Zerstörung unserer Meeresumwelt davonkommen und mit einem Laderaum voller heimischer Muscheln davonsegeln.“

In dem Brief gibt es drei zentrale Forderungen:

  • Das Verbot der Muschelfischerei mit Grundschleppnetzen muss sofort umgesetzt werden.
  • Die Flensburger Förde soll ein Teil des geplanten marinen Nationalparks Kleiner Belt werden.
  • Der reelle Schutz der Förden muss im kommenden Nationalpark gesichert werden.

„Es ist wichtig, dass Richtlinien für den Schutz, die ein mariner Naturnationalpark bietet, erarbeitet werden. Ansonsten ist dieses Projekt reine Symbolpolitik. Wir kommen gern vorbei und zeigen, was unter anderem Schleppnetze für unsere Förde bedeuten. Wir haben umfassendes Videomaterial der Flensburger Förde, das die massiven Zerstörungen zeigt.“