Leserbrief

„Von wegen Nachwuchsprobleme – die Sicht der jungen Generation“

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Engagiert und sichtbar: Die Jungen Spitzen verweisen auf ihren Einsatz bei der Kommunalwahl 2025 als Beleg dafür, dass die junge Generation in der deutschen Minderheit Verantwortung übernimmt (Archivbild).

Die Jungen Spitzen melden sich in der Debatte um die Zukunft der deutschen Minderheit zu Wort. In einem Leserbrief betonen sie, dass Engagement und politischer Einsatz junger Menschen längst vorhanden sind – und mahnen, dass notwendige Kritik an Strukturen nicht diejenigen entmutigen darf, die sich aktiv einbringen.

Der Leserbrief von Andreas Geuss hat eine notwendige Debatte angestoßen. Dennoch möchten wir als Vertreter der jungen Generation der deutschen Minderheit einer zentralen Darstellung ausdrücklich widersprechen: Wir empfinden die Situation nicht als „Nachwuchsproblem“.

Als aktive und engagierte Jugendorganisation der deutschen Minderheit in Nordschleswig erleben wir tagtäglich eine andere Realität. Wir sehen engagierte junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen – und es auch tun. Unser Vorstand ist aktiv, vielfältig und motiviert. Die Bereitschaft, Zeit, Energie und Ideen einzubringen, ist vorhanden. Das beste Beispiel hierfür ist die Kommunalwahl, die im vergangenen Herbst stattfand.

Als Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender der jungen SPitzen sind wir unglaublich stolz auf das, was unsere sechs jungen Kandidat*innen, der Vorstand, die Suppleant*innen, unsere Mitglieder und Freunde bei der Wahl im Herbst 2025 geleistet haben. Wir waren sichtbar, sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt, haben angepackt, wo Hilfe benötigt wurde, und haben mit unserer Kreideaktion frischen Wind in den Wahlkampf gebracht. 

Dieser Einsatz wurde mit 655 persönlichen Stimmen für unsere sechs jungen Kandidat*innen belohnt. Ein Ergebnis, auf das wir wahrlich stolz sind, und zugleich ein Ergebnis, das ohne das Engagement des Nachwuchs der Minderheit wahrscheinlich nicht hätte erreicht werden können.

Wir haben Verantwortung übernommen – mit Erfolg. Dass es uns gelungen ist, mit Victor Puck Terp einen Vertreter der Jungen SPitzen in einen Stadtrat zu bringen, ist kein Zufall, sondern Ergebnis kontinuierlicher Arbeit, Teamgeist und politischer Ernsthaftigkeit. Das ist ein starkes Signal – auch nach innen.

Es freut uns, dass sowohl Hinrich Jürgensen als auch Stephan Kleinschmidt dieses Engagement in ihren Leserbriefen wertschätzen und loben. Vielen Dank dafür! Ebenfalls möchten wir uns nochmals für die Verleihung des Nordschleswig Preises an unsere sechs jungen Kandidat*innen am Deutschen Tag 2025 bedanken. Diese Auszeichnung beweist ebenfalls, dass junges Engagement in der Minderheit gesehen wird und bestätigt uns in unserer Arbeit.

Vor diesem Hintergrund empfinden wir die unangebrachte Diagnose von Überalterung und fehlendem Nachwuchs als enttäuschend. Sie wird dem Engagement vieler junger Ehrenamtlicher nicht gerecht und übersieht, was bereits geleistet wird. Kritik an Strukturen ist legitim und notwendig – sie sollte jedoch nicht unbeabsichtigt diejenigen entmutigen, die sich aktiv einbringen.

Identität, Wandel und Zugehörigkeit sind komplexe Themen. Aber der Wandel vollzieht sich nicht nur durch neue Konzepte, sondern vor allem durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Diese Menschen gibt es. Sie sind da. Sie arbeiten – oft leise, aber mit Wirkung. Ja, es passiert ein Wandel in der Minderheit und ja, dies geschieht ganz natürlich und ist auch gut so! Wir wollen ein Teil dieses Wandels sein, denn uns liegt unsere Minderheit am Herzen. 

Wir wünschen uns daher eine Debatte, die nicht allein Defizite betont, sondern auch anerkennt, was bereits gelingt. Eine Debatte, die ermutigt statt entwertet. Wir sind die junge Generation der Minderheit, wir sind die Zukunft und wir sind bereit für den Dialog.

Wencke Andresen, Vorsitzende, und Niklas Nissen, stellvertretender Vorsitzender der Jungen SPitzen, im Namen des gesamten Vorstands

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