ZUSCHRIFT

Ist erst mal Schluss, gibt es kein Zurück

Hände tippen auf der Tastatur eines aufgeklappten Laptops.
Symbolfoto

Offener Brief von Gert Ziehmann zur Schließung des deutschen Kindergartens und der Schule in Rapstedt

Veröffentlicht

Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Sehr geehrte Frau Kerstin Jürgensen, sehr geehrter Herr Hinrich Jürgensen, an Sie als Vorsitzende des DSSV und des BDN wende ich mich als von der Empfehlung zur Schließung von Kindergarten und Schule betroffener Großvater meines Enkels, der nun nach 2 Jahren begeisterter Zeit seine „zweite Heimat“ verlassen soll.

Wie waren seine Eltern als Neubürger mit ihrem Kleinen froh, an ihrem neuen Wohnort einen Kindergarten in Rapstedt anzutreffen, der „Die Gemeinschaft, das Beste aus zwei Kulturen und einen besonderen Unterrichtsalltag“, bietet, wie Frau Andrea Grünberg-Richter, die als Lehrerin in Rapstedt dem „Nordschleswiger“ (vom 10.12. 25, Seite 10) schmerzvoll mitteilte.

Die gemeinsame Erziehung von dänischen und deutschen Kindern ist nicht von gestern, sondern entspricht den Bestrebungen, den Kindern durch beide Sprachen den Weg in die Zukunft der Verbindung deutscher und dänischer Kultur zu bieten.

Unser Enkel spricht deshalb schon so gut dänisch, wie ich in Flensburg lebend, noch lange nicht. Dass die Sprache eine Brücke zwischen Deutschland und Dänemark ist, werden Sie sicher bestätigen können. Die kulturelle Identität geht dabei nicht verloren; im Gegenteil: Das Verständnis füreinander von Minderheit und Mehrheit der Bevölkerung ist ein Pfeiler für das gute Miteinander.

Nebenbei gesagt; ist es an sich ein perfektes Projekt für den BDN im Sinne des Generationen übergreifenden Denkens und Handelns. Obwohl Eltern des Kindergartens und der Schule freiwillig ein überzeugendes und engagiertes Konzept vorgelegt haben, das, so glaube ich, nur wenig Beachtung gefunden hat, ist die Empfehlung zur Schließung nicht zu verstehen.

Die Empfehlung wird überwiegend durch die Hinweise auf die Kostenseite begründet; jedoch werden die Einsparungen überhaupt nicht konkret ersichtlich. Sie sagen im „Nordschleswiger“ vom 10. Dezember 2025 ja selbst: „Das eingereichte Zukunftskonzept aus Rapstedt zeige zwar großes Engagement und enthalte ein interessantes Entwicklungsprojekt.“ Das „zwar“ wird dort auch deutlich, da „mit weiteren Zuschüssen nicht realisierbar, die derzeit nicht als tragfähig gelten“. 

Solch einer kurzzeitigen Beurteilung fehlt die Sicht auf die Konsequenzen; denn ist für den Standort Rapstedt erst einmal Schluss, gibt es kein Zurück. Die schon jetzt abwesende Minderheitenarbeit in Rapstedt wird noch einmal verstärkt, statt nach Lösungen zu suchen, diese zu beleben.

Sie geben dem Standort durch den terminlichen Druck keine Möglichkeit, nach Alternativen zu suchen. Damit verspielen Sie den Weg eines Neuaufbaus der Minderheitenarbeit in Rapstedt, wie das Konzept der Schule und des Kindergartens es vorstellen wollte.

Der Hinweis auf die Ausweichmöglichkeit in umliegenden Kindergärten und Schulen ist wenig zielführend, da die Eltern vor Ort auch ein dänisches Bildungssystem vorfinden.

Es gehen 75 Jahre erfolgreiche und integrative Bildungsarbeit verloren, und mein Enkel ist traurig darüber, dass sein „zweites Zuhause“ Vergangenheit sein soll. Ich bitte Sie deshalb auch als ehemaliger Lehrer, greifen Sie das Konzept der Betroffenen noch einmal auf und korrigieren Sie Ihre Empfehlung im Sinne einer erfolgreichen Wertung für die Minderheitenarbeit und vor allem für das Wohl der Kinder.

Es kann ja auch heißen, dass das Projekt intensiver besprochen wird und ein gemeinsamer Weg gefunden werden kann.

Sehr oft bei seinem Enkel in Fogderup, Fogderupvej 15:

Gert Ziehmann,
Marienhölzungsweg 101,
24939 Flensburg