Nordschleswig

Lizenz: Warum statt der „Thyra“ nun die „Sif“ Muscheln fischt

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Die „Sif“ am Montagnachmittag beim Muschelfischen auf der Flensburger Förde vor Stranderott (Stranderød)

Seit der Insolvenz der „Thyra“ hat das Schiff nicht mehr zum Muschelfischen abgelegt. Doch mit dem kurzen Aufatmen kam die Ernüchterung. Mit der „Sif“ ist ein neues Muschelfangschiff auf den Förden Nordschleswigs unterwegs – mit gültiger Lizenz und gleichen Eigentümern. Dabei wollen die Wittrup-Brüder eigentlich umsatteln und kritisieren die Politik für den langsamen Ausstieg.

Nach der Insolvenzanmeldung des Betreibers der „Thyra“, der Wittrup Seafood Holding aus Horsens, Ende November hatten viele gehofft, dass der Muschelfang auf den Förden in Nordschleswig endet. Doch die Hoffnung hat sich getrübt. 

Während die „Thyra“ seit Oktober in Ekensund (Egernsund) am Kai liegt, ist in den vergangenen Wochen mit dem Kutter „Sif“ ein neues Muschelfangschiff auf dem Wasser zu sehen. Die „Sif“ ist nicht von der Insolvenz der Wittrup Holding betroffen. Das Schiff ist in Privatbesitz der beiden Brüder Stig und Rasmus Wittrup – und fischt auch in dieser Woche nach Muscheln. 

Die Fischerei mit Bundschleppnetzen in den Förden sorgt seit Jahren für Kritik auf dänischer und deutscher Seite, denn die Schleppnetze zerstören den Boden der Förde nachhaltig. Kürzlich sorgte ein Leserbrief der Sozialistischen Volkspartei in Sonderburg (Sønderborg) erneut für Aufsehen. Darin wird geschrieben, dass die Lizenz zum Muschelfang angeblich von der „Thyra“ auf den Kutter „Sif“ übergegangen sei. Weil das eigentlich nicht möglich ist, übte die SF in Sonderburg Kritik. Das rief auch die Folketingsabgeordnete Karina Lorentzen Dehnhardt (SF) auf den Plan, die eine Antwort des Fischereiministers fordert

Ein Skandal? Nein. 

Kein Lizenz-Trick

Thyra
Die „Thyra“

Die Sif hatte immer eine FYA-Lizenz, die es nicht von der Thyra übernommen hat, und hat nur einfach nicht in Flensburg gefischt.

Rasmus Wittrup

Der „Nordschleswiger“ hat bei Eigner Rasmus Wittrup nachgefragt. Er schreibt unserer Redaktion: „Die Sif hatte immer eine FYA-Lizenz, die es nicht von der Thyra übernommen hat, und hat nur einfach nicht in Flensburg gefischt.“

Das bestätigt auch die Fischereibehörde auf Nachfrage. Diese teilt mit, dass es keine registrierte Übertragung der Genehmigungen von der „H06 THYRA“ auf die „HO32 SIF“ oder andere Fahrzeuge gegeben hat. Demnach liegt für die „Sif“ eine gültige Zulassung für die Fischerei nach Miesmuscheln in der Ostsee vor, die seit 1. Januar 2025 und bis zum 28. Februar 2026 gilt. Diese Zulassung könne nicht auf andere Fahrzeuge oder Eigner übertragen werden, heißt es in der Antwort.

Eine Nachfrage bei SF, woher die Informationen aus dem Leserbrief stammen, blieb zunächst unbeantwortet.

Fahrten der „Sif“ haben auch politische Gründe

Angesichts von Sauerstoffmangel, Nährstoffeinträgen und der jahrelangen intensiven Bundschleppnetzfischerei sind die Förden in einem ökologisch schlechten Zustand. „Der Nordschleswiger“ hatte bereits berichtet, dass die Besatzung der „Thyra“ im vergangenen Jahr keinen großen Erfolg mehr bei der Muschelfischerei hatte, da die 2024 zurückgelassenen Muschelbestände nicht auf eine erntereife Größe herangewachsen waren. Theoretisch dürfte die Besatzung der „Sif“ wöchentlich 270 Tonnen Muscheln aus der Förde fischen. 

Weiterfischen, um aussteigen zu können

Die „Sif“ auf der Flensburger Förde
Die „Sif“ auf der Flensburger Förde. Hinter dem Kutter sind die Schleppleinen zu sehen.

Dass die „Sif“ derzeit auf den Förden Nordschleswigs unterwegs ist, hat daher auch einen politischen Hintergrund, verrät Rasmus Wittrup. „Wir sind gerade erst auf einem Treffen gewesen, bei dem es um das Ende der Schleppnetzfischerei ging. Es ist deutlich geworden, dass noch mindestens ein Jahr vergehen wird, bis eine entsprechende Verordnung zur Verschrottung steht“, sagt er. 

Erst mit der Verschrottung des Bootes fließt also eine staatliche Kompensation, die die beiden Brüder für die Umstellung ihres Geschäftsmodells nutzen wollen. Sie wollen nachhaltiger werden. 

Doch damit Geld fließt, müssen „alle Boote mindestens 90 Seetage haben, um in Betracht zu kommen“, so Wittrup. „Also müssen alle Fischer leider aufs Wasser, auch wenn es politisch das Schlechteste ist. Das Geld ist bereitgestellt, und die Fischer wollen aufhören“, schreibt er.

Kritik an politischen Entscheidungen 

Rasmus und Stig Wittrup
Rasmus und Stig Wittrup

Die Pläne der Regierung kritisiert Wittrup. „Es ist sinnlos, ein fast neues Boot wie die Thyra zu verschrotten. Der Bau eines solchen Bootes kostet viele Ressourcen und viel Geld, fast 15 Millionen Kronen.“ Das Boot könnte in anderen Branchen weiter eingesetzt werden. „Es ist unbegreiflich, dass es keine vernünftigen Menschen gibt, die vernünftige Entscheidungen treffen können.“

Bezüglich der Muschelfischerei könne man sich eine halbe Stunde an einen Tisch setzen und sich auf eine gute Lösung einigen, die Fischern, die ihr Geschäft verlieren, eine Perspektive bietet – und das auf umweltgerechte Weise, so der Unternehmer. „Wir sprechen hier von etwa 40 Millionen Kronen, die politisch bewilligt wurden und sieben Booten. Die Juristen, die mit der Ausarbeitung einer Regelung beauftragt wurden, haben nicht die Absicht, dies schnell oder intelligent zu tun“, kritisiert Wittrup die Politik. 

Es ist sinnlos, ein fast neues Boot wie die Thyra zu verschrotten.

Rasmus Wittrup

Wittrup-Brüder wollen künftig Muschelriffe anlegen

Die Brüder hatten bereits vor der Insolvenz Pläne, künftig Muscheln zu züchten und dafür staatliche Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile ist es sehr konkret. Laut „Horsens Folkeblad“ haben die Brüder eine neue Firma gegründet und wollen künftig Kommunen mit ihrem maritimen Wissen helfen – etwa bei der Errichtung biogener Riffe, die unter anderem von Miesmuscheln gebildet werden. Diese können die Biodiversität verbessern und die Wasserqualität erhöhen. 

In Vejle haben die Brüder demnach erste Gehversuche gemacht und wollen nun nutzen, dass die Errichtung solcher Riffe von politischer Seite mit dem neuen Meeresplan gefördert wird. Auf Nachfrage könnten sich die Brüder auch Muschelriffe in den hiesigen Förden vorstellen: „Wir möchten sehr gerne mit Biogen-Muschelzucht in Nordschleswig beginnen, dafür wurden im Zusammenhang mit der Einstellung der Fischerei auch 13 Millionen Kronen bereitgestellt“, schreibt Rasmus Wittrup. Es brauche aber mehr Unterstützung der Kommunen, so der Unternehmer.

Verbot der Muschelfischerei kommt voraussichtlich 2026

Die Regierung hatte am 2. Juli 2025 mit fünf weiteren Parteien vereinbart, Grundschleppnetze im Beltmeer zu verbieten. Fischereiminister Jakob Jensen (Venstre) rechnete im Oktober damit, dass ein Verbot für die Flensburger Förde 2026 umgesetzt werden kann. So bedarf es unter anderem auch eines Einvernehmens über die Regeln mit den deutschen Behörden. Die Absprache ist kein Verbot, weshalb mit gültigen Lizenzen weiter gefischt werden darf.