Umweltschutz

Auftakt zur deutsch-dänischen Rettung der Flensburger Förde

Personen tauschen sich in einem historischen Saal vor einem großen Reitergemälde aus.
Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Tobias Goldschmidt (Mitte) könnte sich unter anderem ein Interreg-Projekt zum Fördeschutz vorstellen.

Umweltschutz: Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Umweltverbänden und aus der Landwirtschaft beider Länder diskutieren über die Verbesserung der Wasserqualität der Flensburger Förde. Die Konferenz im Sonderburger Schloss soll ein erster Schritt zur Rettung der Ostsee sein.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Deutschland und Dänemark starten im Schloss Sonderburg einen gemeinsamen Dialog zur Verbesserung der Wasserqualität der Flensburger Förde.
  • Umweltminister beider Länder und weitere Akteurinnen und Akteure wollen konkrete Maßnahmen wie mögliche Interreg-Projekte, strengere Regelungen und neue Schutzzonen diskutieren.
  • Parallel prüfen die Anrainer, ob die Flensburger Förde als Unesco-Biosphärenreservat zusätzlichen Schutzstatus erhalten kann.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Der Sonderburger Hafen ist an diesem Februarmorgen kein Ort, an dem man sich länger als nötig aufhalten möchte. Der Himmel präsentiert sich in Einheitsgrau, und die aufgewühlte Flensburger Förde wirkt heute dunkel und wenig einladend. Die -5 Grad Celsius fühlen sich durch den böigen Wind aus Ost wie -10 Grad an.  

Mit dem Schiff aufs Wasser zu fahren, um die künftig intensivere deutsch-dänische Zusammenarbeit zur Rettung der Flensburger Förde symbolisch zu starten, war den Organisatoren aus dem Ministerum für das grüne Dreiparteienabkommen wohl dann doch zu ungemütlich. 

Am Ende interessiert es die Fische und die Algen nicht, ob die Nährstoffe aus Dänemark oder aus Deutschland kommen.

Tobias Goldschmidt

Der Auftakt zur Rettung des Ostseearms, der Dänemark und Deutschland teilt und für den beide Länder eine gemeinsame Verantwortung haben, findet daher in sicherer Entfernung im Rittersaal des Sonderburger Schlosses statt.  

Bei einer Diskussion wollen Politikerinnen und Politiker beider Länder sowie Umweltverbände und Landwirtschaft gemeinsam Ideen entwickeln, wie die Zusammenarbeit zur Verbesserung des ökologischen Zustands der Förde beitragen kann. 

Klimadialog ein erster Schritt

„Am Ende interessiert es die Fische und die Algen nicht, ob die Nährstoffe aus Dänemark oder aus Deutschland kommen. Deshalb ist klar, wenn wir unsere Heimat und unsere Förden schützen und wieder klares Wasser haben wollen, dann müssen wir zusammenarbeiten“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) dem „Nordschleswiger“ am Rande des Treffens. Es sei gut, dass die Akteurinnen und Akteure vor Ort sind und in einem ersten Schritt abgleichen können, was bereits getan wird.

Fest steht für Goldschmidt: „Der Ostsee geht es nicht gut, und wir werden es nur gemeinsam schaffen, die Ostsee wieder auf Kurs zu bringen.“

Auf deutscher Seite habe Schleswig-Holstein mit dem „Aktionsplan Ostseeschutz“ bereits „richtig viel“ auf den Weg gebracht, so Goldschmidt. Weil die Zeit dränge, soll der Plan bereits bis 2030 Ergebnisse bringen. Noch in diesem Halbjahr werde er Schutzgebiete ausweisen, so der Landesumweltminister. „Wir haben richtig Druck. Wie schnell wir hier vor Ort sein können, werden wir in der Konferenz erfahren.“ Jeder Tag schneller beim Ostseeschutz sei ein wichtiger Tag. 

Tobias Goldschmidt (rechts, Mitte), dahinter Vize-Bundesumweltminister Carsten Träger (SPD) und Grøn-Trepart-Minister Jeppe Bruus (Soz., vorne)

Lobende Worte findet Goldschmidt auch für seinen dänischen Kollegen Jeppe Bruus. Der Minister für das grüne Dreiparteienabkommen habe „richtig viel vor der Brust“ und sich viel vorgenommen. „Wenn wir es jetzt noch schaffen, dass wir vor Ort mit den Kommunen richtig gute Dinge auf den Weg bringen, dann haben alle etwas davon.“

Fördeschutz als Interregprojekt?

Inhaltlich bleibt es vor dem Treffen allerdings vage, was konkrete Ideen angeht. „Es ist ein erstes Zusammentreffen all derjenigen, die die Ostsee im Herzen haben und die Ostsee in einen besseren Zustand bringen wollen“, so Landesumweltminister Goldschmidt. Er wünsche sich natürlich sehr konkrete Ergebnisse; beim ersten Treffen sei es aber auch okay, herauszufinden, wo gemeinsame Interessen liegen.

Die Position Schleswig-Holsteins ist klar, die grundberührende Fischerei hat in der Flensburger Förde keinen Platz.

Tobias Goldschmidt

„Ich selber könnte mir vorstellen, dass wir ein gemeinsames Interreg-Projekt auf den Weg bringen, wo hier die Akteure vor Ort an konkreten Maßnahmen arbeiten, die den Wasserkörper in der Flensburger Förde verbessern. Das werde ich hier heute auch ansprechen.“

Ob Schleswig-Holstein angesichts der stark kritisierten Muschelfischerei mit Schleppnetzen in der Flensburger Förde auch auf ein dänisches Verbot drängt? 

„Die Position Schleswig-Holsteins ist klar, die grundberührende Fischerei hat in der Flensburger Förde keinen Platz.“ Sie passe einfach nicht zum schlechten ökologischen Zustand. Auch in der Nordsee müsse diese Art der Fischerei zurückgefahren werden. „Hier brauchen wir auch eine ganzheitliche Lösung.“

Hoffnung auf intensivere Zusammenarbeit

Der Minister für das Dreiparteienabkommen, Jeppe Bruus (Soz.), äußert sich gegenüber dem „Nordschleswiger“ ebenfalls eher verhalten: „Ich hatte bereits mehrere Treffen mit Tobias Goldschmidt, und wir haben ein gemeinsames Interesse daran, die Wasserqualität in der Flensburger Förde zu verbessern. Meine Hoffnung bei diesem Treffen ist, dass wir diese gemeinsame Zusammenarbeit konkretisieren können.“

Wie schnell es zu konkreten Lösungen kommt, da verweist Bruus auf das grüne Dreiparteienabkommen, das zum Ziel hat, die Nährstoffeinträge der Landwirtschaft in die Förde zu verringern. „Wenn wir unser Wasser mit weniger Nährstoffen verunreinigen, können wir auch eine relativ schnelle Veränderung in den Küstengewässern beobachten.“

Meine Hoffnung bei diesem Treffen ist, dass wir diese gemeinsame Zusammenarbeit konkretisieren können.

Jeppe Bruus

Wird die Flensburger Förde Unesco-Biosphärenreservat?

  • Im Umweltausschuss der Kommune Sonderburg wird am Mittwoch (4. Februar) darüber entschieden, ob die gemeinsamen Anstrengungen mit der Kommune Apenrade (Aabenraa) fortgeführt werden, die Flensburger Förde zu einem Unesco-Biosphärenreservat zu machen, um sie besser zu schützen. 
  • Der Stadtrat von Sonderburg hatte am 26. Februar 2025 die politische Beteiligung an einem gemeinsamen Ausschuss beschlossen, der seine Arbeit nun mit einem Bericht abgeschlossen hat. 
  • Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Flensburger Förde das Potenzial hat, den Status eines Biosphärengebiets zu erlangen. 
  • Der Ausschuss empfiehlt, dass die Kommunen Apenrade und Sonderborg sowie die Stadt Flensburg und der Kreis Schleswig-Flensburg weiter auf eine gemeinsame Bewerbung hinarbeiten.

Es sei zu hoffen, dass dieses Treffen dazu beitrage, die Initiativen für eine bessere Wasserqualität vereinigen zu können. 

Muschelfischerei nur am Rande Thema

Auf die hitzige Debatte zur Muschelfischerei angesprochen, sagt Bruus, das Thema werde bei dem Treffen nicht diskutiert. „Natürlich, wenn wir darüber reden, dass wir die Wasserqualität verbessern wollen, müssen wir auch darüber reden, was über und unter der Wasseroberfläche passiert.“ Ein gesondertes Thema sei die Muschelfischerei aber nicht. 

Stephan Kleinschmidt (Schleswigsche Partei), der lange Jahre als Stadtdezernent in Flensburg aktiv war und zuletzt als Vize-Bürgermeister der Kommune Sonderburg (Sønderborg) auch im Umweltausschuss vertreten war, äußert sich zurückhaltend. „Ich hoffe, dass auch wirklich etwas passiert nach diesem ersten Treffen.“ 

Erik Lauritzen (Soz.), Bürgermeister der Kommune Sonderburg, sprach in seinem Grußwort von einer Notwendigkeit, angesichts des Zustands der Förde die gemeinsame Arbeit zu stärken. „Wir teilen das gleiche Wasser, also sind wir auch gleichermaßen verantwortlich.“ Er verwies dabei auf  Projekte in der Kommune wie das „Project Zero“ zur CO2-Reduzierung. „Ambitionierter Klimaschutz ist möglich, wenn alle zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten“, sagte Lauritzen.

Person spricht am Rednerpult vor Publikum bei einer Klimadialog-Veranstaltung in einem Saal.
Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen hielt das erste Grußwort.

Es braucht feste Strukturen 

Wie es nach der Auftaktveranstaltung weitergeht, dazu hat der Dänemark-Beauftragte der Landesregierung, Johannes Callsen, einen Vorschlag gemacht. Er stellt sich eine permanente Arbeitsgruppe mit Beteiligten beider Länder nach dem Vorbild der deutsch-dänischen Transportkommission vor. Nach dem Treffen sagte Callsen dem „Nordschleswiger“, es bestehe Einigkeit, dass es jetzt feste Strukturen benötige.