ZUSCHRIFT

Gleichstellung ist nicht nur eine Personalfrage

Hände tippen auf der Tastatur eines aufgeklappten Laptops.
Symbolfoto

In seiner Zuschrift ordnet Stephan Kleinschmidt die Debatte um den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger in einen breiteren gleichstellungspolitischen Zusammenhang ein und fordert verbindliche Strukturen statt symbolischer Lösungen.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Die anhaltende Diskussion über die geschlechtliche Besetzung des Hauptvorsitzes im Bund Deutscher Nordschleswiger zeigt vor allem eines: Beim Thema Gleichstellung besteht weiterhin ein spürbarer Kommunikations- und Umsetzungsbedarf. Gleichstellung ist im BDN jedoch kein neues Versprechen. Mit der Gleichstellungspolitik von 2019 und der Einrichtung der Arbeitsgruppe Gleichstellung existiert eigentlich ein klarer, institutionell verankerter politischer Auftrag.

Problematisch ist, dass der öffentliche Diskurs oft auf die Frage der männlichen oder weiblichen Besetzung des Hauptvorsitzes verengt wird. Gleichstellung entscheidet sich jedoch nicht an einer Person oder einem Amt, sondern daran, ob Haltung, Strukturen und Entscheidungsprozesse zusammenpassen. Wer Gleichstellung ernst nimmt, muss sie programmatisch denken und konsequent im Alltag der Minderheit leben. Als Kandidat für den Hauptvorsitz ist es mein Anspruch, Gleichstellung zur verbindlichen Pflichtaufgabe des BDN zu machen. Ein Gleichstellungs-Aktionsplan mit klaren Zielen, Zuständigkeiten und Zeitrahmen soll in der Arbeitsgruppe Gleichstellung erarbeitet, mit dem Frauenforum Nordschleswig abgestimmt, vom Hauptvorstand beschlossen und in seiner Umsetzung begleitet werden.  

Wichtig ist: Gleichstellung bedeutet nicht, Menschen auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Maßstab müssen Kompetenz, Haltung und Programm sein – nicht Zuschreibungen oder symbolische Erwartungen. Dies gilt für alle Bewerberinnen und Bewerber, auch für meine Gegenkandidatin.

Ein wirksamer Ansatz reicht über Gremienbesetzungen hinaus. Er umfasst zeitgemäße Organisations- und Sitzungskultur, bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt, Familie und Beruf, gezielte Qualifizierung und Mentoring sowie Kommunikation, die Vielfalt sichtbar macht. Positive Beispiele aus der Praxis der Minderheit zeigen, dass Gleichstellung dort gelingt, wo Strukturen Verantwortung ermöglichen. Wird Gleichstellung Programm, Prozess und gelebte Praxis, wird sie zur Stärke der deutschen Minderheit insgesamt.

Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger